Tagebuch

Brandgefährlicher Spaß auf zwei Rädern

Neulich erzählte mir eine Freund, er hätte eine Hoverboard und es würde riesigen Spaß machen. Bisher kannte ich diese Boards nur vom Hören-Sagen. Ich war früher mal begeisterter Inline-Skater und hab deswegen eine Affinität zu solchen Dingen. Ich wollte so ein Teil auch unbedingt mal ausprobieren.

Gesagt getan. Ich ging in den städtischen Elektronik-Handel, von dem ich wusste, dass sie die Dinger führen und fragte, ob ich es vorher mal antesten könnte. Nach ein paar Minuten stand ich schon relativ sicher auf dem Board. Ich hätte nicht gedacht, dass es sich so natürlich anfühlen kann, dass die Sensoren so gut reagieren. Das Ding ist doch eine Maschine ist. Und doch verwächst es unglaublich gut mit den eigenen Bewegungen und geht super flüssig mit.

Das Ding hat mich irgendwie angesteckt. Und so nahm ich mir vor, mir auch eines zu kaufen. Ich kaufte das Board nicht da in dem Laden. Ich wusste bereits, dass das mega-überteuert war. Ich weiß, ein bisschen arschig. Man soll ja den lokalen Handel unterstützen. Aber soviele Hunnies hab ich jetzt auch nicht über. Ich sagte also die übliche Floskel: „Ich überleg’s mir nochmal.“ und ging schnurstracks nach Hause, um mich im Netz mal ein bisschen umzuschauen.

Was ich zuerst fand, schreckte mich direkt wieder ab. Unzählige Bericht, bei denen Hoverboards verursacht durch Überladung des Akkus ganze Wohnungen in Brand gesetzt hatten. Das ganze ist wohl zurückzuführen, auf billige No-Name-Imitate, bei denen wohl hauptsächlich am Akku oder am Ladegerät gespart wurde. Auch sei die Gefahr durch Stürze nicht zu unterschätzen. Dazu folgender Bericht mit einem Video von Mike Tyson. LOL!

Wenn man auf Nummer Sicher gehen möchte, dann muss eine Hoverboard laut dieses Hoverboard-Tests mindestens eine der folgenden drei Voraussetzungen erfüllen: Entweder einen Samsung-Akkus besitzen, oder über das Zertifikat UL2272 verfügen (prüfbar unter folgender URL: http://database.ul.com/cgi-bin/XYV/template/LISEXT/1FRAME/index.html) oder es muss TüV-geprüft sein.

Ich bestellte mir also eines mit Samsung-Akku. Nachdem ich das Ding zum allerersten Mal in unserem Hof leer gefahren hab, war ich immer noch misstrauisch und ließ das Board während eines kompletten Ladezyklusses nicht allein. Ich fühlte auch mal an dem Board. Es wurde jetzt nicht merklich heiß oder sowas. Mittlerweile vertraue ich darauf, dass in dem Ding Qualität verbaut ist und lasse es auch mal alleine laden.

Dass ich in unserem Innenhof gefahren bin, war übrigens auch nicht ohne Grund. Hoverboards darf man nämlich genau genommen nicht auf der Straße, dem Gehweg oder sonstigen öffentlichen Plätzen fahren. Der Grund ist: a) Es ist motorisiert und b) es fährt schneller als 6 km/h. Und Gefährte, für die das gilt, benötigen nach deutscher StVO eine Zulassung.

Frage mich, ob die die wohl jemals bekommen werden, sind die Dinger doch ziemlich kippelig und müssen ja für jedwede Straße und deren Beschaffenheit geeignet sein. Ich denke nur an lange nicht erneuerte Straßen, die mit Schlaglöchern nur so überseht sind. Das ist ein wahres Minenfeld für Hoverboards, das nur von äußerst geübten Fahrern überwunden werden kann. Und wenn, dann auch das nur in einem ziemlichen Schneckentempo.

In Anbetracht dieser Tatsache sehe ich eigentlich schwarz für die Zulassung. Eine Alternative wäre, die Boards auf unter 6 km/h zu drosseln. Aber wo bleibt dann der Spaß? Das ist dann ähnlich wie mit einem 50er Roller zu fahren, der auf 25 km/h runtergedrosselt ist. Wer schonmal so einen Roller gefahren ist, weiß, wovon ich rede. Und trotzdem gibt IO Hawk an, sie stünden mit ihrem IO Hawk Cross kurz vor der Straßenzulassung. Wer’s glaubt …

Naja, ich fahre trotzdem hin und wieder zum Bäcker oder zur Tanke. Hier in unseren Gefilden gibt es gefühlt ganze zwei Polizeistreifen für den ganzen Landkreis, was das Risiko, erwischt zu werden, so ziemlich auf eine Minimum reduziert.

Die Blicke die man mit dem Ding erntet sind auch immer äußerst interessant. Manch ältere Herrschaften gucken einen so an, als wollten sie einem gleich nen Vogel zeigen. Gerade, wenn man dabei auch noch auf sein Smartphone schaut. Die etwas kleineren Leutchen kriegen schnell große Augen und schauen neidisch.

Summa sumarum fahr ich auf jeden Fall super gern mit meinem Hoverboard. Die Investition hat sich gelohnt. Schon allein der Blick wegen. Und die Recherche auch: Meine Wohnung steht noch. Toi toi toi.